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Bilinguale Erziehung - Wenn Kinder zwei- oder mehrsprachig aufwachsen

Veröffentlicht im Februar 2017

Angekommen in einer stetig wachsenden multikulturellen Gesellschaft beschäftigen wir uns zunehmend mit zwei- oder mehrsprachig aufwachsenden Kindern. Diese Entwicklung wird mit der Immigration von Menschen verschiedener Herkunft immer präsenter. Damit Integration nicht nur ein häufig verwendetes Wort bleibt, ist es wichtig, diese durch das Erlernen der Sprache in der neuen Heimat interessant und spannend zu gestalten.
Zusätzlich ist die Aufklärung über die Möglichkeiten und den Umgang mit Zwei- und Mehrsprachigkeit wichtiger denn je; auch um Sprache als Brücke zwischen den Kulturen anzusehen.

Alle Menschen haben die Fähigkeit, verschiedene Sprachen zu lernen. Kindern fällt es sogar besonders leicht mehrere Sprachen zu lernen, da sie dies spielerisch tun. Außerdem ist das kindliche Gehirn noch flexibler und aufnahmefähiger. Aber es kommt auch darauf an, welche Möglichkeiten wir gemeinsam schaffen, um optimale Voraussetzungen für den Lernprozess einer Zweitsprache anzuregen.

Einige wichtige Regeln bei bilingualer Erziehung:

  • 1 und 1 Regel – eine Person, eine Sprache (z.B. der Vater spricht mit dem Kind immer Deutsch, die Mutter immer Spanisch), Abwandlung dieser Regel: zu Hause eine Sprache zu sprechen und außerhalb des Hauses eine andere Sprache – die orts- und personenspezifische Sprachverwendung bietet den Kindern Sicherheit und klare Strukturen
  • Bevor dem Kind eine Zweitsprache angeboten wird, sollte die Muttersprache weitgehend fehlerfrei beherrscht werden
  • Schaffen Sie ein soziales Netz, welches zusätzlich die Sprachentwicklung fördert
  • Halten Sie sich konsequent an einmal Beschlossenes

Das Erlernen und Anwenden der Sprachen ist u.a. abhängig von der Intensität und der Art des Kontakts mit den jeweiligen Sprachen. Das heißt, wie häufig die jeweilige Sprache im Alltag vorkommt und genutzt wird und wie gut das sprachliche Vorbild (bzw. die Bezugsperson) die Sprache umsetzt.
Zuerst entwickelt sich ein passives Sprachverständnis – d.h. die Sprache wird verstanden, aber noch nicht selbst gesprochen. Nach und nach kommen auf der Grundlage des passiven Wortschatzes immer mehr aktive Äußerungen dazu.

Oft werden die Kinder erst im Kindergartenalter mit einer Zweitsprache (bei Immigrationskindern Deutsch) konfrontiert. Daher sind die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Muttersprache meist deutlich besser ausgeprägt.
Wortschatz und Grammatik unterscheiden sich in den verschiedenen Sprachen z.T. gravierend. So kann es bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern zu Problemen kommen.
Wir beobachten häufig die Vermischung von Wörtern und Begriffen verschiedener Sprachen. Dies ist oft auf fehlenden aktiven Wortschatz zurückzuführen.
Der fehlende Wortschatz wird von den Kindern auch durch Gestik und Mimik sowie allgemeine Begriffe (wie z.B. „machen“, „das da“, usw.) kompensiert.
Auch die Übergeneralisierung bekannter grammatischer Regeln aus der Muttersprache auf die Zweitsprache (z.B.: bei der Verbstellung im Satz) ist ein häufig auftretendes Phänomen.

Aufgabe der Logopäden ist es zunächst, zwischen krankhaften entwicklungsbedingten Sprachstörungen und allgemeinen Schwierigkeiten im Zweitspracherwerb zu differenzieren. Wird durch den Kinderarzt oder Facharzt (z.B.: HNO-Arzt) eine Therapiebedürftigkeit festgestellt, hilft die logopädische Therapie dabei, die Sprach- und Sprechfähigkeiten des Kindes zu fördern. Schwerpunkte der Therapie sind die spielerische Erweiterung des aktiven und passiven Wortschatzes, der Aufbau und die Stabilisierung grammatischer Regeln und die Korrektur fehlerhaft gebildeter Laute.