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„Mama, taufst du mir Sotolade?“ - Artikulationsstörungen im Vorschulalter

Veröffentlicht im November 2019

Etwa 15% aller Kinder zeigen bei der U9 (der letzten Vorsorgeuntersuchung vor der Einschulung) Auffälligkeiten in der Aussprache. Bestimmte Sprachlaute werden falsch gebildet oder durch andere ersetzt. Bekannte Beispiele dafür sind das sogenannte „Lispeln“ oder die Ersetzung des Lautes „k“ durch „t“. In der Fachsprache nennt man diese Störung Dyslalie.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Dyslalie, die sowohl einzeln als auch in Kombination auftreten können:
Bei der phonetischen Störung sind die Bildungsmuster der Sprachlaute im Gehirn richtig angelegt, durch Schwächen in der Artikulationsmuskulatur oder durch eine gestörte Wahrnehmung im Mundraum können aber bestimmte Laute motorisch nicht realisiert werden. Sie werden dann entweder fehlgebildet oder durch andere Laute ersetzt. Häufig sind die Sprachlaute betroffen, die aufgrund ihrer komplexen Bildungsmuster in der Sprachentwicklung erst spät erworben werden. Am bekanntesten ist die Fehlbildung des Lautes „s“ (Sigmatismus), häufig erfolgt die Fehlbildung hier zwischen den Zähnen (interdental) – landläufig „Lispeln“ genannt.
Bei der phonologischen Störung dagegen ist das „innere Sprachsystem“ betroffen. Das Kind könnte die Laute motorisch korrekt bilden, aber das Regelsystem für die Sprachlaute ist falsch oder unvollständig angelegt. Es fällt den Betroffenen daher sehr schwer, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden und die bedeutungsunterscheidende Funktion der Laute zu beachten. Bei den phonologischen Störungen kann die Symptomatik sehr vielfältig sein. Sie reicht vom Verwechseln zweier Laute bis zur vollständigen Entstellung der Aussprache und damit zur Unverständlichkeit für Außenstehende. Kinder mit einer unbehandelten oder nicht adäquat behandelten phonologischen Störung haben zudem ein höheres Risiko zur Ausbildung einer Schriftspracherwerbstörung (LRS).

So individuell wie jedes Kind mit seinen sprachlichen Schwierigkeiten ist, sollte auch die die logopädische Therapie der Dyslalien erfolgen. Es gibt kein Standardprogramm und kein Patentrezept. Voraussetzung ist eine genaue und differenzierte Diagnostik, um den aktuellen Entwicklungsstand und eventuell begleitende Faktoren festzustellen.
Therapieinhalte sind in der Regel folgende Bereiche in unterschiedlich starker Wichtung: Mundmotorik (zum Training der Sprechmuskulatur), Wahrnehmungs- und Hörübungen (zur Unterscheidung der Sprachlaute und Erkennen bedeutungsunterscheidender Funktionen), Anbahnung der korrekten Sprachlautbildung, Stabilisierung der angebahnten Lautbildungsmuster in verschiedenen Positionen und Kontexten und das Ebnen des Transfers der erlernten Laute in die Spontansprache.

Sie als Eltern sind die wichtigsten Kommunikationspartner Ihres Kindes und übernehmen damit eine entscheidende Rolle für den erfolgreichen Verlauf einer logopädischen Therapie. Sie helfen uns durch therapeutisch angeleitete Hausaufgaben, die erlernten Kenntnisse zu festigen und erleichtern damit ihrem Kind das Automatisieren der neuen Lautbildungsmuster. Das ist sehr wichtig, weil der Übergang von der Übungssituation im Therapieraum zur Anwendung im Alltag erfahrungsgemäß am schwierigsten ist. In der Praxis sehen wir häufig, dass durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Therapeuten die Dauer der Therapie deutlich verkürzt werden kann.

Mein Team und ich wünschen allen viel Erfolg und Spaß beim „Sprechen üben“ und vielleicht finden auch Sie den Weg zu uns nach Jena-Altlobeda – „Logopädie mit Herz und Kompetenz.“

Herzliche Grüße
Ihre Maria Beyer